Woche 27 - Maut-Chaos statt Freiheit? Unsere verrückte Fahrt durch Osteuropa
- Matthias Fröhlich

- 10. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Tschechien, Slowakei, Ungarn. Diese Woche hiess es für uns vor allem eines: Kilometer machen. Nach über sechs Monaten unterwegs zieht es uns langsam Richtung Süden. Nicht nach Hause, noch nicht. Unser Ziel liegt in Slowenien. Dort findet in wenigen Tagen das Tourne Mobil Treffen statt und das wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.
Bevor es aber weiterging, stand erstmal Frühstück an. Und zwar nicht dieses hektische „Kaffee rein und los“-Frühstück, sondern richtig gemütlich. Genau diese Momente schätzen wir mittlerweile fast mehr als grosse Sehenswürdigkeiten. Einfach irgendwo sitzen, Hunde neben dem Van, Kaffee in der Hand und kurz vergessen, dass man eigentlich hunderte Kilometer fahren wollte.
Grundsätzlich sind wir nämlich keine typischen „jeden Tag weiter“-Reisenden. Klar, manchmal drücken wir ordentlich Kilometer runter. Dann fahren wir durch drei Länder an einem Tag und merken abends kaum noch, wo wir eigentlich genau sind. Aber danach brauchen wir wieder Ruhe. Zwei Tage irgendwo stehen. Nichts tun. Oder zumindest fast nichts.
Wobei ich relativ schnell merke, dass Nichtstun nicht unbedingt meine grösste Stärke ist.
Also liefen wir bei knapp 28 Grad doch wieder los Richtung Stadt. Zwei Kilometer am Wasser entlang, vorbei an Spaziergängern, kleinen Cafés und alten Gebäuden. Unser Ziel: Piešťany in der Slowakei.
Die Stadt hat einen speziellen Charakter. Einerseits wirkt vieles gepflegt, ruhig und entspannt. Breite Fussgängerzonen, viel Grün und schöne Plätze entlang der Waag. Gleichzeitig merkt man vielen Gebäuden an, dass hier schon bessere Zeiten gesehen wurden. Teilweise charmant. Teilweise ziemlich heruntergekommen. Irgendwie genau dieser osteuropäische Mix, den wir auf der Reise immer wieder antreffen. Nicht geschniegelt und geschniegelt wie manche Touristenorte, dafür ehrlich und mit eigenem Charakter.
Nach der Stadt zog es uns wieder Richtung Campingplatz. Und dort fanden wir tatsächlich eine kleine Überraschung.
Camping Pullmann ist ein Familienbetrieb in zweiter Generation und genau so fühlt sich der Platz auch an. Rund 50 Stellplätze, alles gepflegt, ruhig und ohne grosses Camping-Disneyland drumherum. Das Sanitärgebäude ist zwar nicht mehr brandneu, dafür blitzsauber und liebevoll eingerichtet. Man merkt sofort: Hier kümmert sich jemand wirklich darum.
Besonders cool fanden wir die kleine Outdoor-Küche hinter dem Sanitärgebäude. Mit Spülbecken, Kochplatten und allem, was man unterwegs so braucht. Wer nicht selber kochen will, kann direkt im kleinen Restaurant essen. Und wer danach ein schlechtes Gewissen bekommt, darf sich im kleinen Outdoor-Gym wieder abstrampeln.
Was uns unterwegs immer mehr auffällt: Es sind selten die grossen Luxusplätze, die in Erinnerung bleiben. Sondern oft genau solche Orte. Plätze mit Herz. Plätze, bei denen man merkt, dass die Betreiber stolz darauf sind.
Lange bleiben konnten wir trotzdem nicht. Slowenien wartet.
Also Wasser entsorgen, alles sichern und weiter Richtung Ungarn. Allerdings mittlerweile konsequent ohne Autobahn. Und das hat einen ziemlich nervigen Grund: das Mautsystem.
Seit Polen fahren wir fast nur noch Überland. Nicht weil wir geizig sind. Sondern weil das Thema Maut mit Fahrzeugen über 3,5 Tonnen teilweise komplett absurd wird.
In Polen läuft vieles über Apps. Vor jeder Fahrt muss die Strecke aktiviert werden, danach wird kilometergenau abgerechnet. Klingt erstmal machbar. Bis die App spinnt oder man plötzlich irgendwo ohne Empfang steht.
Tschechien und die Slowakei setzen dagegen auf Mautboxen. Diese soll man angeblich an Tankstellen bekommen. „Soll“ ist hier das wichtige Wort. Wir suchten mehrfach danach und bekamen unterwegs ungefähr fünf verschiedene Antworten. Viele kennen sich mit Wohnmobilen über 3,5 Tonnen selber kaum aus.
Und genau das ist das Problem. Regeln ändern ständig. Informationen widersprechen sich. In Ungarn ist seit Kurzem beispielsweise wieder eine normale E-Vignette möglich. Vorher hiess es teilweise etwas komplett anderes. Irgendwann hatten wir schlicht genug.
Also beschlossen wir: Keine Autobahnen mehr. Keine Mautboxen. Kein App-Chaos. Dafür Landstrassen, kleine Dörfer und spontane Stopps.
Und ehrlich gesagt war das eine der besten Entscheidungen seit Langem.
Denn genau dort passiert plötzlich wieder das, weshalb wir diese Reise überhaupt machen. Man entdeckt kleine Orte, hält spontan irgendwo am Wasser an, fährt durch Dörfer, in denen die Zeit scheinbar stehen geblieben ist, und sieht plötzlich wieder Dinge, die man auf der Autobahn nie sehen würde.
Natürlich dauert alles länger. Aber genau das ist ja eigentlich der Sinn unserer Reise.
Und während draussen langsam die Sonne untergeht und die Hunde bereits tief schlafen, beginnt bei uns oft nochmals ein ganz normaler Arbeitstag. Denn Vollzeit-Vanlife bedeutet nicht nur reisen.
Rita sitzt dann mit Blick aufs Wasser im wohl schönsten Büro der Welt und schreibt Offerten und Rechnungen für unsere Firma in der Schweiz. Und ich schneide Videos, suche Musik, vertone Szenen und versuche aus tausenden Aufnahmen irgendwie eine spannende Woche zu bauen.
So hat am Ende jeder von uns seine kleine Auszeit. Irgendwo zwischen Freiheit, Arbeit, Chaos, Dieselgeruch und dem Gefühl, genau dort zu sein, wo man gerade sein möchte.















































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