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Woche 16 – Schweden, wir kommen

  • Autorenbild: Matthias Fröhlich
    Matthias Fröhlich
  • vor 11 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Nacht rüttelte am Van, als wollte uns Dänemark nicht gehen lassen. Windböen, wenig Schlaf und trotzdem dieser Blick aus dem Fenster direkt auf die Fähren. Eigentlich ein Traumplatz. Ohne Sturm wäre es wohl mucksmäuschenstill gewesen. Unsere Laune blieb trotzdem oben. Wir freuten uns auf Schweden wie kleine Kinder. Vielleicht, weil wir innerhalb von anderthalb Jahren schon zum vierten Mal hierher unterwegs waren. Dieses Land hat uns gepackt. Wir haben bereits viele Ecken gesehen, vom Süden über Mittelschweden bis hoch nach Lappland.

Was wir aber immer ausgelassen hatten, war Göteborg. Irgendwie hatten wir Vorurteile und die Stadt reizte uns nie wirklich. Da wir nun genau dort ankamen, sagten wir uns: Jetzt schauen wir sie an. Und ja, Göteborg, wir lagen falsch. Die Stadt ist kantiger und rauer als Stockholm, aber gleichzeitig ruhiger und ehrlicher. Mit den Hunden war alles entspannt. Besonders gefiel uns Haga, quasi die Altstadt. Holzhäuser, kleine Läden, Secondhand-Shops und Zimtschnecken so gross wie unser Lenkrad.


Überhaupt ist Göteborg sehr hundefreundlich. In Restaurants dürfen Hunde wegen der Hygieneregeln zwar nicht hinein, aber zum Aufwärmen gingen wir in ein Einkaufszentrum. In Schweden völlig normal. Hunde sind willkommen. Anfangs ungewohnt, für die Pfoten von Mooi und Milo aber Gold wert.

Nach diesem positiven Eindruck zog es uns weiter Richtung Smögen. Ein kleines Fischerdorf an der Westküste in Bohuslän. Bekannt für den langen Holzsteg, die Smögenbryggan, mit den bunten Häusern direkt am Wasser. Im Sommer voll, im Winter fast leer. Nur Wind, Meer und Möwen. Die Boote liegen still im Hafen und auf den Felsen hört man nur die Wellen. Genau dann wirkt Smögen am stärksten.


Wir verbrachten eine Nacht zwischen den Felsen, über uns ein klarer Sternenhimmel. Am nächsten Tag ging es ausgeruht auf unsere etwas mehr als 300 Kilometer lange Etappe nach Norden. Nach Torsby. Zum dritten Mal kamen wir in diese kleine Stadt und es fühlte sich fast vertraut an. Kein Navi nötig. Wir fanden alles sofort und merkten, wie wir wieder zu träumen begannen. Dann ging es zum COOP einkaufen, denn am Abend wollten wir Köttbullar machen. Selbstgemacht, nicht aus der Tiefkühltruhe. Also standen wir bei minus 15 Grad auf einem Parkplatz beim Skigebiet und kochten. Speziell, aber genau deshalb reisen wir so.


Einen Tag später besichtigten wir etwas nördlich von Torsby einen kleinen Naturcampingplatz, der zum Verkauf steht. Eigentlich wollten wir nur kurz schauen. Da er im Winter geschlossen ist, dachten wir, wir stören niemanden. Wir ahnten nicht, dass wir dort bleiben würden. Der Besitzer erlaubte uns trotz geschlossener Anlage zu übernachten, die Sanitärgebäude zu nutzen und sogar Holz aus der Sauna zu holen. Am Abend brannte vor unserem Van ein Feuer, und plötzlich lief das Kopfkino.


Nach einer weiteren ruhigen Nacht erkundeten wir die Umgebung und fuhren zurück nach Torsby. Wir mussten noch in den Systembolaget, den staatlichen Alkoholladen. In Schweden ist alles über 3,5 Volumenprozent Alkohol nur dort erhältlich. Schnell im Supermarkt eine Flasche Wein holen geht nicht. Und am Sonntag ist geschlossen. Gleichzeitig haben Supermärkte, Shoppingcenter und Baumärkte fast jeden Tag von früh bis spät geöffnet. Eine Mischung, an die man sich erst gewöhnen muss.

Auf dem Weg zum nächsten Campingplatz machten wir noch kurz Halt bei einem Waldgrundstück mit Haus. Es lag direkt auf der Strecke. Träumen darf man. Danach fuhren wir weiter zu einem Platz ausserhalb, denn Wäsche waschen stand an.


Und plötzlich war wieder Sonntag. Woche 16 unserer Europatour vorbei. Eine ruhige, warme Woche im kalten Norden. Abends Rauch in der Luft, knirschender Schnee unter den Schuhen und dieses Gefühl, hier oben irgendwie nicht nur zu Besuch zu sein. Torsby, wir kommen wieder.



 
 
 

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