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Woche 18 – statt Lofoten: Flucht aus Norwegen

  • Autorenbild: Matthias Fröhlich
    Matthias Fröhlich
  • vor 18 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die 18. Woche unserer Europatour hatte es in sich. Nach dem norwegischen Frühling in der Woche davor starteten wir wieder bei Minusgraden im tiefsten Winter. Dazu Traumwetter und ein Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch. Die Stimmung im Van war entsprechend gut. Doch es kam anders.


Nur 24 Stunden später änderte sich alles. Regen, Warnungen vor Glatteis und von mehreren Seiten die klare Empfehlung, die Lofoten im Moment besser nicht anzusteuern. Also Planänderung. Statt Richtung Westen ging es auf die Flucht aus Norwegen, hinüber nach Schweden.

Was zuerst nach einer vernünftigen Entscheidung klang, entwickelte sich zu einem echten Eiertanz über die Berge. Rund 200 Kilometer im Schnee, teils kaum geräumte Strassen und ein Tempo, bei dem Geduld wichtiger war als der Gasfuss.

Nach einigen Stunden hatten wir es geschafft. Wir landeten auf einem Campingplatz, der eigentlich noch geschlossen war. Der Betreiber erlaubte uns trotzdem zu bleiben. Dafür ein grosses Dankeschön.

Und einmal mehr zeigte uns diese Reise, dass Umwege oft die schönsten Momente bringen. In dieser Nacht tanzten Nordlichter über dem Himmel. Still, grün und völlig surreal. Immer wieder ein Moment, der einen kurz sprachlos macht.


Nach einer kurzen Nacht ging es weiter Richtung Jokkmokk. Das Wetter hätte nicht besser sein können. Strahlend blauer Himmel, Sonne und dieses Gefühl, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Die Lofoten waren plötzlich gar nicht mehr so wichtig.

In Jokkmokk besuchten wir die beiden Polarkreis-Tafeln. Wir waren vor einem Jahr schon einmal hier. Trotzdem war der Moment wieder speziell. Diese Linie auf der Karte wirkt abstrakt. Wenn man davorsteht, bekommt sie plötzlich Gewicht.


Auch unsere “Flucht” erwies sich immer mehr als Glücksgriff. Auf dem Weg nach Jokkmokk – und auch danach – begegneten wir so vielen Rentieren wie lange nicht mehr. Immer wieder standen sie mitten auf der Strasse, blickten kurz zu unserem Van und trotteten dann gemütlich weiter. So fühlt sich ein echtes Willkommen in Schwedisch Lappland an.

In Jokkmokk blieben wir zwei Nächte auf einem wunderschönen Platz. Abends brannte das Feuer und in der Pfanne lagen Köttbullar. Einfach, ehrlich und verdammt gut. So riecht und schmeckt Freiheit.

Danach ging es weiter nach Kiruna. Eine Stadt, die gerade dabei ist umzuziehen. Der Grund liegt unter der Erde: Das riesige Eisenerzbergwerk unter der alten Stadt wächst immer weiter und lässt den Boden langsam absinken. Deshalb wird Kiruna Stück für Stück einige Kilometer weiter östlich neu aufgebaut. Strassen, Gebäude, sogar die berühmte Holzkirche werden versetzt oder neu gebaut. Das Ergebnis wirkt modern, geplant und noch etwas unfertig. Eine Stadt im Übergang.

Unsere erste Nacht dort war wenig spektakulär. Wir standen beim Hotelparkplatz und kümmerten uns um Van-Alltag. Wäsche waschen, aufräumen, sortieren.

Am nächsten Tag kam dann einer dieser Zufallsmomente, die man nicht planen kann. Wir kamen gerade aus dem Supermarkt, als neben unserem Bäri plötzlich ein weiterer Tourne Mobil Van parkte. Schweizer Kennzeichen. SZ.

Die beiden kannten uns tatsächlich schon. Sie folgen unserer Reise online und hatten uns zufällig auf diesem Parkplatz entdeckt. Also war schnell klar, was passieren musste: Raclette am Feuer.

Wir verbrachten einen richtig schönen Abend zusammen, tauschten Geschichten aus und sassen lange am Feuer. Am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege wieder. Sie Richtung Süden, wir weiter nach Norden.

Diese Woche begann mit Chaos, Umwegen und etwas Wehmut darüber, die Lofoten im Moment nicht zu sehen. Am Ende blieb ein Schweizer Highlight, zwei neue Bekanntschaften und ein Abend am Lagerfeuer, den wir so schnell nicht vergessen werden.


Manchmal führen gerade die Planänderungen zu den besten Geschichten.

Danke, lieber Vanlife-Gott.



 
 
 

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